Motorradfahrer auf legalem Schotterweg in deutscher Landschaft
Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Das Befahren von Waldwegen ist in Deutschland grundsätzlich verboten und kann mit Bussgeldern bis zu 25.000 € geahndet werden.
  • Legale Schotterwege findest du nicht durch Zufall, sondern durch einen methodischen Prozess: Apps zur Inspiration, gefolgt von der Überprüfung in offiziellen Geoportalen der Bundesländer.
  • Respektvolles Verhalten (der „Offroad-Knigge“) und die Wahl der richtigen Tages- und Jahreszeit sind genauso wichtig wie die rechtliche Grundlage.
  • Einsteiger sollten zur Sicherheit ein Enduro-Training, z.B. beim ADAC, absolvieren, um die Maschine im Gelände beherrschen zu lernen.

Der Ruf des Abenteuers ist für uns Motorradfahrer unwiderstehlich. Dieses Kribbeln, wenn der Asphalt endet und ein Schotterweg verlockend ins Unbekannte abbiegt. Doch in Deutschland weicht die Euphorie oft schnell einer nagenden Unsicherheit: Darf ich hier überhaupt fahren? Die Angst vor Verbotsschildern, verärgerten Wanderern und vor allem vor empfindlichen Bussgeldern lähmt viele, bevor das Abenteuer überhaupt begonnen hat. Es ist ein Dilemma, das jeder kennt, der mehr als nur die Landstrasse sucht.

Viele verlassen sich auf Hörensagen, veraltete GPX-Tracks oder die vage Hoffnung, dass ein unbeschilderter Weg schon in Ordnung sein wird. Das ist ein Glücksspiel. Andere kapitulieren und beschränken sich auf überfüllte Offroad-Parks, was dem eigentlichen Entdeckergeist widerspricht. Doch was, wenn die Lösung nicht in Grauzonen oder im Verzicht liegt, sondern in einer klaren Methode? Wenn es einen Weg gäbe, die Suche nach legalen Strecken wie ein Profi anzugehen und sich eine echte Rechtssicherheit zu erarbeiten?

Dieser Guide bricht mit den Mythen und der Unsicherheit. Wir werden nicht nur die rechtlichen Fallstricke beleuchten, sondern dir einen konkreten, detektivischen Workflow an die Hand geben. Du wirst lernen, wie du digitale Werkzeuge richtig einsetzt, offizielle Quellen zur Verifizierung nutzt und dich so vorbereitest, dass du dein Offroad-Abenteuer mit Selbstvertrauen und gutem Gewissen geniessen kannst. Es geht darum, vom hoffnungsvollen Glücksritter zum informierten Entdecker zu werden.

Um dieses komplexe Thema strukturiert anzugehen, führt dich dieser Artikel durch die entscheidenden Aspekte des legalen Offroad-Fahrens in Deutschland. Von den rechtlichen Grundlagen über die praktische Routenfindung bis hin zur richtigen Ausrüstung und Verhaltensweise im Gelände erhältst du einen umfassenden Überblick.

Warum 90 % der Waldwege in Deutschland für Motorräder verboten sind?

Die ernüchternde Realität für Enduro-Fahrer in Deutschland ist: Der Wald ist grösstenteils eine Tabuzone. Die Vorstellung, frei durch Forstgebiete zu fahren, ist ein Trugschluss, der teuer werden kann. Der Grund liegt in einer klaren rechtlichen Hierarchie. Das Fundament bildet das Bundeswaldgesetz (BWaldG). Dessen § 14 gewährt zwar jedermann das Recht, den Wald zur Erholung zu betreten, schliesst das Fahren mit Kraftfahrzeugen jedoch explizit aus. Dieses Bundesgesetz wird dann durch die jeweiligen Landeswaldgesetze der Bundesländer weiter konkretisiert und oft verschärft.

Diese Landesgesetze sind der eigentliche Knackpunkt. Sie regeln die Details und unterscheiden sich teils erheblich. Während in Niedersachsen viele land- und forstwirtschaftliche Wege ausserhalb des Waldes befahren werden dürfen, solange sie nicht explizit gesperrt sind, herrscht anderswo eine Null-Toleranz-Politik. In Baden-Württemberg etwa ist das Befahren von Waldwegen gemäss § 37 LWaldG nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Waldbesitzers erlaubt. Bayern verbietet es in seinem Waldgesetz grundsätzlich. Diese Zersplitterung macht es unmöglich, eine pauschale Aussage für ganz Deutschland zu treffen und unterstreicht die Notwendigkeit, sich immer mit der lokalen Gesetzgebung vertraut zu machen.

Die Konsequenzen bei Missachtung sind drastisch und sollen eine abschreckende Wirkung haben. Wer erwischt wird, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das Bussgeld variiert je nach Bundesland und Schwere des Verstosses, aber die Rahmen sind hochgesteckt. Eine Analyse der Rechtslage zeigt, dass Bussgelder bis zu 25.000 Euro betragen können, insbesondere wenn Naturschutzgebiete betroffen sind oder wiederholt gegen die Vorschriften verstossen wird. Es ist also kein Kavaliersdelikt, sondern ein ernsthaftes finanzielles Risiko.

Wie Sie mit Apps und Karten legale Schotterwege in Ihrer Region finden?

Nachdem klar ist, wo man nicht fahren darf, stellt sich die entscheidende Frage: Wie finde ich die Wege, auf denen es erlaubt ist? Die Antwort ist ein methodischer, fast schon detektivischer Workflow, bei dem digitale Werkzeuge nur der erste Schritt sind. Apps wie Calimoto, Kurviger oder der Trans Euro Trail (TET) sind fantastische Quellen der Inspiration. Sie zeigen Routen, von denen andere Fahrer berichten, dass sie befahrbar sind. Aber Vorsicht: Sie sind keine Rechtsgarantie! Ein GPX-Track ist nur eine Spur auf einer Karte, keine amtliche Genehmigung.

Der entscheidende Schritt zur Rechtssicherheit ist die Verifizierung. Hier kommen die Geoportale der Bundesländer ins Spiel (z.B. der BayernAtlas für Bayern oder TIM-online für NRW). Diese offiziellen, oft kostenlosen Online-Kartenwerke sind dein wichtigstes Werkzeug. Hier kannst du den verdächtigen Wegabschnitt aus deiner App-Planung genau unter die Lupe nehmen und seine offizielle „Widmung“ prüfen. Ist es ein öffentlicher Feld- und Waldweg, ein beschränkt-öffentlicher Weg oder ein reiner Privatweg? Diese Klassifizierung entscheidet über die Legalität. Dies ist der Kern des „detektivischen Workflows“: eine Hypothese (aus der App) wird mit harten Fakten (aus dem Geoportal) überprüft.

Dieser Prozess erfordert etwas Einarbeitung, ist aber der einzige Weg, um mit gutem Gewissen unterwegs zu sein. Bei Zweifeln, insbesondere wenn die Widmung im Geoportal nicht eindeutig ist, hilft nur noch der direkte Kontakt zur zuständigen Gemeinde oder dem unteren Forstamt. Ein kurzer, freundlicher Anruf kann letzte Unklarheiten beseitigen. Notiere dir den Namen deines Ansprechpartners – das kann im Falle einer Kontrolle Gold wert sein. Denk immer daran: Die lokale Beschilderung vor Ort hat immer Vorrang vor jeder digitalen Karte.

Ihr Plan zur legalen Routenfindung: Der digitale Detektiv-Workflow

  1. Inspiration finden: Potenzielle Route in Komoot, Calimoto oder auf TET-Karten identifizieren und als grobe Vorlage nutzen.
  2. Fakten prüfen: Verdächtigen Wegabschnitt mit dem offiziellen Geoportal des jeweiligen Bundeslandes (z.B. BayernAtlas, TIM-online) abgleichen.
  3. Widmung ermitteln: Im Geoportal die offizielle Klassifizierung des Weges suchen, um die Legalität zu überprüfen (öffentlicher Weg, Wirtschaftsweg etc.).
  4. Absicherung bei Unsicherheit: Die zuständige Gemeinde oder das Forstamt kontaktieren und den Namen des Sachbearbeiters notieren.
  5. Realität hat Vorrang: Die Beschilderung vor Ort sticht jede digitale Planung. Ein Verbotsschild beendet die legale Fahrt, egal was die Karte sagt.

ADAC-Enduro-Training oder private Anbieter: Wo lernen Anfänger sicherer?

Die beste Route nützt nichts, wenn man das Motorrad im entscheidenden Moment nicht beherrscht. Gerade für Einsteiger oder Umsteiger von der Strasse ist ein Offroad-Training unerlässlich. Es geht nicht nur um Fahrtechnik, sondern um das Erlangen von Sicherheit und Selbstvertrauen auf losem Untergrund. In Deutschland gibt es zwei primäre Anlaufstellen: die grossen ADAC Fahrsicherheitszentren und eine Vielzahl von privaten Offroad-Schulen.

Der ADAC bietet in seinen Zentren (z.B. in Linthe oder Lüneburg) stark standardisierte und auf Sicherheit ausgerichtete Kurse an. Der Fokus liegt hier oft auf Fahrern von schweren Reiseenduros (über 200 kg). Das ist ideal, wenn du mit deiner eigenen GS oder Africa Twin üben willst. Ein grosser Vorteil ist der professionelle Rahmen, zertifizierte Trainer und klare Versicherungsregelungen. Das Training kostet oft nur um die 170 € für ADAC-Mitglieder und bietet damit ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Private Anbieter sind oft flexibler und spezialisierter. Hier findest du Kurse, die sich auf leichtere Sport-Enduros konzentrieren, oder auch reine Frauentrainings. Die Gruppengrössen können kleiner sein, was eine intensivere Betreuung ermöglicht. Allerdings musst du hier genauer hinschauen: Die Qualifikation der Trainer (z.B. DMSB-Zertifizierung) und die Haftungsregelungen variieren stark. Oft wird auf eigenes Risiko trainiert, was eine private Unfallversicherung umso wichtiger macht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Unterschiede.

Die Entscheidung hängt stark von deinen persönlichen Zielen und deinem Motorrad ab. Für den Besitzer einer grossen Reiseenduro, der grundlegende Sicherheit für Schotterpassagen auf Touren erlernen will, ist ein ADAC-Training oft die perfekte und kostengünstige Wahl, wie eine vergleichende Analyse der Angebote zeigt.

Vergleich: ADAC-Trainingszentren vs. private Offroad-Schulen
Kriterium ADAC Fahrsicherheitszentren (z.B. Linthe, Lüneburg) Private Anbieter (z.B. Enduro Action Team)
Kosten 170-180 € (ADAC-Mitglieder), ca. 10 € mehr für Nicht-Mitglieder Variabel, oft ab 200 € aufwärts
Leihmotorräder Teilweise verfügbar (z.B. Honda Africa Twin, KTM Freeride 350) Je nach Anbieter, oft eigenes Bike erforderlich
Trainingsfokus Reiseenduro-orientiert, schwere Maschinen (über 200 kg) Breites Spektum: Sport-Enduro bis Reiseenduro
Teilnehmerzahl Max. 8 Personen pro Gruppe Variiert je nach Anbieter
Dauer Ca. 8,5 Stunden (Ganztag) Unterschiedlich, von Halbtag bis Wochenende
Versicherung ADAC-Standards, professionelle Haftpflichtregelungen Meist Haftungsverzicht, Training auf eigenes Risiko
Instruktoren-Zertifizierung ADAC-zertifizierte Trainer Oft DMSB-zertifiziert oder erfahrene Privattrainer

Der Fehler, der Offroad-Fahrer 5.000 € Bussgeld und das Motorrad kostet

Selbst bei bester Planung kann es passieren: Man übersieht ein Schild, interpretiert eine Karte falsch und wird prompt von einem Förster, Jäger oder einer Polizeistreife angehalten. In diesem Moment entscheidet nicht nur die Rechtslage, sondern vor allem dein Verhalten über den Ausgang. Der grösste Fehler, der eine überschaubare Ordnungswidrigkeit in ein teures Desaster verwandeln kann, ist Arroganz und Konfrontation. Wer diskutiert, sich uneinsichtig zeigt oder versucht zu flüchten, eskaliert die Situation unnötig und provoziert die volle Härte des Gesetzes.

Förster und Jagdaufseher haben in vielen Bundesländern ein sogenanntes Feststellungsrecht. Sie dürfen deine Personalien aufnehmen, um Anzeige zu erstatten. Sie verhängen nicht selbst das Bussgeld – das macht die zuständige Behörde später. Aber ihr Bericht über dein Verhalten hat massiven Einfluss auf die Höhe der Strafe. Ein freundlicher, reuevoller und kooperativer Fahrer kommt möglicherweise mit einer Verwarnung oder einem minimalen Bussgeld davon. Ein aggressiver Fahrer, der die Autorität in Frage stellt, wird mit Sicherheit die Obergrenze des Bussgeldkatalogs zu spüren bekommen.

Ein eskalierender Streit kann weitreichende Folgen haben. In besonders schweren Fällen, etwa bei wiederholter Fahrt in einem Naturschutzgebiet, kann neben einem Bussgeld von mehreren tausend Euro sogar die Einziehung des Motorrads drohen. Der entscheidende Moment ist also die erste Interaktion. Ein kühler Kopf, Höflichkeit und die richtige Deeskalationsstrategie sind dein wichtigster Schutzschild, wenn du einen Fehler gemacht hast.

Hier ist ein Leitfaden für den Ernstfall. Dieses Verhalten minimiert den Schaden und zeigt, dass du die Situation ernst nimmst:

  • Sofort handeln: Motor abstellen und Helm abnehmen. Das signalisiert Kooperation und Respekt.
  • Freundlich bleiben: Eine höfliche Begrüssung entschärft 90 % aller Konflikte.
  • Kooperieren: Personalien ruhig vorzeigen. Förster und Jäger sind dazu berechtigt.
  • Nicht rechtfertigen: Vermeide Diskussionen oder Ausreden. Mache keine Schuldeingeständnisse, aber bleibe sachlich.
  • Entschuldigen und gehen: Entschuldige dich für die Störung und verlasse das Gebiet umgehend auf dem kürzesten legalen Weg.

Wann Sie für griffigen Boden und weniger Wanderer Offroad fahren sollten?

Legales Fahren ist nur die halbe Miete. Um ein Offroad-Erlebnis wirklich geniessen zu können, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören der Zustand der Wege und die Minimierung von Konflikten mit anderen Naturnutzern. Das richtige Timing ist hierbei der entscheidende Faktor. Erfahrene Offroad-Guides in Deutschland haben dafür einen ungeschriebenen Verhaltenskodex entwickelt, den man als „Offroad-Knigge“ bezeichnen könnte.

Die wichtigste Regel betrifft die Vermeidung von Stosszeiten. Der Sonntagmorgen zwischen 9 und 12 Uhr ist in den meisten Naherholungsgebieten die „heilige Spaziergangszeit“ für Familien. Wer hier mit einem lauten Motorrad auftaucht, provoziert unweigerlich Konflikte. Bessere Zeitfenster sind Werktage, insbesondere am Vormittag. Dann sind die Wege meist leer und man kann die Fahrt ungestört geniessen. Auch die Witterung spielt eine grosse Rolle. Der ideale Zustand ist ein leicht feuchter Boden nach einem kurzen Regenschauer. Der Staub wird gebunden, und der Grip ist optimal. Nach wochenlanger Trockenheit führt Staubentwicklung zu Anwohnerbeschwerden, während nach tagelangem Starkregen die Gefahr besteht, tiefe Spurrillen zu ziehen und die Wege nachhaltig zu beschädigen.

Respekt ist der Schlüssel zu einem friedlichen Miteinander. Dieser „Offroad-Knigge“ fasst die wichtigsten Verhaltensregeln zusammen, die über jede geschriebene Vorschrift hinausgehen:

  • Sonntagmorgen-Regel: Meide Naherholungsgebiete zwischen 9 und 12 Uhr an Sonntagen.
  • Reiter-Respekt: Bei Begegnung mit Pferden immer den Motor ausschalten und warten, bis sie sicher passiert haben. Ein scheuendes Pferd ist lebensgefährlich für seinen Reiter.
  • Jagdzeiten beachten: Respektiere die Hauptjagdsaison im Herbst und meide Fahrten in der Dämmerung.
  • Bodenschutz: Hinterlasse keine Spuren auf nassen Wiesen oder aufgeweichten Wegen. Erosionsschutz geht vor Fahrspass.
  • Tempo drosseln: Bei Begegnungen mit Wanderern, insbesondere in Waldgebieten, auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren.
  • Lärm minimieren: Unnötiges Gasaufdrehen, vor allem in der Nähe von Wohngebieten, ist tabu.

Warum die Sperrung bestimmter Strecken für Motorräder unter 95 dB in Tirol auch deutsche Fahrer betrifft?

Das Thema Lärm ist eine der grössten Bedrohungen für unser Hobby, und es macht nicht an Landesgrenzen halt. Ein prominentes Beispiel sind die Fahrverbote in Tirol, die seit einigen Jahren für grosse Diskussionen sorgen. Auf bestimmten, besonders beliebten Strecken (z.B. im Lechtal oder am Hahntennjoch) dürfen Motorräder nicht mehr fahren, deren Standgeräusch im Fahrzeugschein über 95 dB(A) liegt. Dies betrifft auch tausende deutsche Fahrer, die eine Alpentour planen.

Das Tückische daran: Es geht nicht um das tatsächliche Fahrgeräusch, sondern um einen fest eingetragenen Wert, das sogenannte „U.1“-Feld in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Selbst ein Motorrad mit einem völlig legalen Zubehörauspuff mit deutscher ABE kann von diesem Verbot betroffen sein, wenn der eingetragene Basiswert zu hoch ist. Die österreichische Polizei kontrolliert diesen Wert streng, und bei einem Verstoss drohen hohe Bussgelder und die sofortige Untersagung der Weiterfahrt.

Dieses Beispiel zeigt, dass „legal“ nicht gleich „überall willkommen“ bedeutet. Lärmemissionen werden europaweit zu einem immer grösseren Thema, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ähnliche Regelungen auch in besonders belasteten Regionen Deutschlands (z.B. im Schwarzwald oder in der Eifel) diskutiert werden. Für dich als verantwortungsbewussten Fahrer bedeutet das: Kenne die Werte deines Motorrads und sei dir bewusst, dass ein lauter Auspuff, auch wenn er legal ist, zunehmend zum sozialen und rechtlichen Problem wird. Vor jeder Alpentour ist der Check des U.1-Wertes absolute Pflicht.

So findest du den entscheidenden Wert in deinen Papieren:

  1. Öffne deine Zulassungsbescheinigung Teil I (der neue Fahrzeugschein im Scheckkartenformat).
  2. Suche auf der Rückseite das Feld mit der Kennzeichnung U.1. Dort steht das Standgeräusch in dB(A).
  3. Verwechsle U.1 nicht mit U.2 (Drehzahl bei der Messung). Nur der Wert in U.1 ist relevant.
  4. Vergleiche den Wert mit der Grenze: Liegt er über 95 dB, sind die betroffenen Tiroler Strecken für dich tabu.
  5. Prüfe diesen Wert unbedingt vor jeder Reise in die Alpen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Wie Sie mit Kurviger oder Calimoto die schönsten Landstrassen statt der schnellsten Route finden?

Ein Offroad-Abenteuer in Deutschland besteht selten aus einer einzigen, durchgehenden Schotterpiste. Die Realität sind legale Offroad-Abschnitte, die wie Perlen auf einer Kette aufgereiht sind. Die Kunst der Tourenplanung besteht darin, diese Perlen mit den schönsten und kurvenreichsten Land- und Nebenstrassen zu verbinden. Genau hier spielen Apps wie Kurviger und Calimoto ihre Stärke aus.

Während ihr „Offroad“-Profil mit Vorsicht zu geniessen ist, da es oft auch illegale Wege anzeigt, sind ihre Algorithmen zur Findung kurvenreicher Asphaltstrassen exzellent. Der strategische Ansatz ist also eine kombinierte Tourenplanung. Du nutzt Calimoto oder Kurviger, um eine wunderschöne, kurvige Basisroute zu erstellen. Diese Route dient als dein roter Faden.

Im zweiten Schritt identifizierst du entlang dieser Route legale Offroad-Möglichkeiten – entweder Abschnitte des TET, die du zuvor verifiziert hast, oder legale Wege, die du durch deine „detektivische Arbeit“ in den Geoportalen gefunden hast. Diese legalen Schotterabschnitte fügst du dann als manuelle Wegpunkte in deine Calimoto- oder Kurviger-Route ein. Der Algorithmus berechnet dann die schönsten Verbindungsstücke zwischen diesen Punkten. So entsteht eine abwechslungsreiche Tour, die das Beste aus beiden Welten vereint: den Fahrspass auf kurvigen Landstrassen und das Abenteuer auf legalen Schotterwegen. Diese Methode macht dich unabhängig von vorgefertigten Tracks und gibt dir die Freiheit, deine ganz persönlichen Traumtouren zu erstellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtliche Grundlage: Das Befahren von Wäldern ist per Bundes- und Landeswaldgesetz fast überall verboten; das Risiko hoher Bussgelder ist real.
  • Der Schlüssel zum Erfolg: Ein „detektivischer Workflow“ aus App-Inspiration und anschliessender, zwingender Verifizierung in offiziellen Geoportalen ist der einzige Weg zur Rechtssicherheit.
  • Soziale Akzeptanz: Respekt vor Wanderern, Reitern und Anwohnern sowie das richtige Timing (keine Sonntagmorgen) sind genauso entscheidend wie die Gesetzeslage.

Wie Sie Ihre erste zweiwöchige Motorradreise planen, ohne unterwegs böse Überraschungen?

Die ultimative Belohnung für all die sorgfältige Planung ist die grosse Reise – ein mehrtägiges oder sogar mehrwöchiges Abenteuer, das dich über legale Pisten durch Deutschland führt. Eine solche Tour erfordert mehr als nur eine gute Route; sie verlangt eine durchdachte Vorbereitung von Fahrer und Maschine. Ein gutes Beispiel für eine machbare Einsteigertour wäre eine 7-tägige legale Offroad-Tour, die verschiedene Regionen kombiniert.

Man könnte mit einem zweitägigen Fahrtraining im ADAC Zentrum Linthe (Brandenburg) beginnen, um sich und die Maschine aufzuwärmen. Anschliessend erkundet man für zwei Tage geprüfte TET-Abschnitte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die einen moderaten Offroad-Anteil von etwa 30 % haben. Die nächsten Tage könnte man der Erkundung legaler Schotterpisten in der Eifel widmen, bevor man entspannt über kurvige Landstrassen die Heimreise antritt. Eine solche Tour von 800-1000 km ist realistisch und bietet einen fantastischen Mix aus Fahren, Natur und Abenteuer.

Für eine längere Reise ist die Packliste entscheidend. Neben dem üblichen Werkzeug und der Schutzausrüstung gibt es für den deutschen Adventure-Fahrer einige spezielle Dinge, die ins Gepäck gehören. Dieses „Legal-Kit“ kann bei Diskussionen oder Kontrollen den entscheidenden Unterschied machen.

  • Legal-Kit: Eine laminierte Kopie des Fahrzeugscheins und Ausdrucke der wichtigsten Paragrafen des Landeswaldgesetzes der Zielregion.
  • Navigation: Eine leistungsstarke Powerbank für das GPS, Offline-Karten des Geoportals auf dem Handy und zur Sicherheit ausgedruckte Karten der wichtigsten Abschnitte.
  • Werkzeug: Neben Bordwerkzeug sind ein Reifenreparaturkit, robuste Kabelbinder und Panzerband unverzichtbar.
  • Schutzausrüstung: Vollständige Enduro-Protektoren und stabile Endurostiefel sind Pflicht, auch wenn es heiss ist.
  • Hydration & Notfall: Ein Trinksystem (Camelback) ist essenziell, da man im Gelände schnell dehydriert. Ein Erste-Hilfe-Set sollte selbstverständlich sein.

Jetzt hast du das Wissen und die Werkzeuge, um deine eigenen legalen Offroad-Abenteuer in Deutschland zu planen. Beginne noch heute damit, deine erste Route nach dem detektivischen Prinzip zu recherchieren und den Traum vom Fahren abseits des Asphalts Wirklichkeit werden zu lassen.

Geschrieben von Stefanie Becker, Stefanie Becker ist Reisejournalistin und zertifizierte Motorrad-Tourenguide mit ADAC-Lizenz. Sie hat in 12 Jahren über 200.000 km auf europäischen Straßen zurückgelegt und führte mehr als 80 Gruppenreisen. Aktuell schreibt sie für führende Motorradmagazine und plant individuelle Traumtouren für Biker.