Motorradfahrer plant Route auf Karte vor Abenteuerreise durch Europa
Veröffentlicht am April 18, 2024

Zusammenfassend:

  • Die Wahl des Reiseziels (z.B. Alpen vs. Nordkap) bestimmt massgeblich den Vorbereitungsaufwand und die Kosten, nicht die Reisedauer.
  • Eine geführte Tour bietet Komfort und Sicherheit, während eine Solo-Reise maximale Freiheit und ein geringeres Budget erfordert, aber mehr Eigenverantwortung bedeutet.
  • Der häufigste Anfängerfehler ist nicht das Vergessen von Ausrüstung, sondern das Mitnehmen von zu viel Unnötigem. Reduktion ist der Schlüssel.
  • Spezialisierte Apps wie Kurviger und Calimoto sind unerlässlich, um Routen zu finden, die auf Fahrspass und nicht auf die schnellste Verbindung ausgelegt sind.

Der Geruch von Freiheit, das Panorama, das sich hinter jeder Kurve neu entfaltet, das tiefe Brummen des Motors – der Traum von der ersten grossen, zweiwöchigen Motorradreise ist ein starker Antrieb. Viele aufstrebende Abenteurer glauben, es sei mit einer groben Route und einer schnell gepackten Tasche getan. Doch aus 15 Jahren Erfahrung in der Organisation von Motorradtouren weiss ich: Zwischen einem unvergesslichen Abenteuer und einer logistischen Tortur liegen oft nur wenige, aber entscheidende strategische Vorüberlegungen.

Die gängigen Ratschläge, wie „prüfen Sie Ihre Reifen“ oder „erstellen Sie eine Packliste“, sind zwar nicht falsch, kratzen aber nur an der Oberfläche. Sie beantworten das „Was“, aber selten das „Warum“ und niemals das „Was wäre, wenn?“. Die wahre Kunst der Reiseplanung liegt nicht darin, eine endlose Checkliste abzuarbeiten. Sie liegt darin, die richtigen Fragen zu stellen, bevor die Probleme überhaupt entstehen können. Es geht um die strategische Abwägung zwischen verschiedenen Optionen und dem Verständnis für die Konsequenzen jeder Entscheidung.

Doch was, wenn die wahre Vorbereitung nicht im Packen von noch mehr Werkzeug besteht, sondern im bewussten Weglassen? Was, wenn die beste Route nicht die mit den meisten Kurven ist, sondern die, die zu Ihrem Fahrstil und Ihrer mentalen Verfassung passt? Dieser Leitfaden bricht mit den oberflächlichen Tipps. Ich führe Sie durch die Denkweise eines erfahrenen Tour-Organisators und zeige Ihnen die acht entscheidenden Weichenstellungen, die über Erfolg oder Misserfolg Ihrer ersten grossen Reise entscheiden. Wir betrachten nicht nur die Logistik, sondern die Philosophie dahinter.

Um Ihnen einen klaren Überblick über die entscheidenden Planungsphasen zu geben, folgt eine strukturierte Gliederung der Themen, die wir gemeinsam durchgehen werden. Jeder Punkt ist eine fundamentale Überlegung, die den Grundstein für eine gelungene Reise legt.

Warum eine Alpenrundfahrt andere Vorbereitung braucht als eine Nordkap-Tour?

Die erste und wichtigste strategische Entscheidung ist die Wahl des Ziels, denn sie definiert den gesamten Rahmen Ihrer Vorbereitung. Viele Erstplaner machen den Fehler zu glauben, „zwei Wochen sind zwei Wochen“. In der Realität ist eine zweiwöchige Tour durch die Alpen logistisch und finanziell eine völlig andere Welt als eine zweiwöchige Reise zum Nordkap. Die Alpen bieten eine hohe Dichte an Pässen, Unterkünften und Werkstätten. Hier können Sie spontan sein, Routen täglich ändern und finden im Notfall immer Hilfe. Es ist ein definierter Erlebniskorridor mit verlässlicher Infrastruktur.

Eine Nordkap-Tour hingegen ist eine Ausdauerprüfung für Mensch und Maschine. Die Distanzen sind immens; Motorradfahrer müssen mit 5.000 bis 6.000 Kilometern ab deutschen Fährhäfen rechnen. Die entscheidende Herausforderung ist die geringe Dichte der Infrastruktur. Eine Reifenpanne 300 Kilometer nördlich von Trondheim ist kein kleines Ärgernis, sondern kann das Ende der Reise bedeuten, da Werkstätten und Reifenhändler extrem rar sind. Die Planung von Tankstopps, das Mitführen spezifischer Ersatzteile und die genaue Kalkulation von Fährverbindungen werden zu überlebenswichtigen Aufgaben. Allein die Fährkosten können schnell mehrere hundert Euro betragen, was das Budget stark beeinflusst.

Diese Gegenüberstellung zeigt: Das Ziel diktiert den Grad der erforderlichen Autarkie. Während Sie in den Alpen fast wie zu Hause agieren können, erfordert der hohe Norden eine Mentalität, die eher einer Expedition gleicht. Fragen Sie sich also nicht nur „Wohin will ich?“, sondern „Auf welches logistische Szenario lasse ich mich ein und bin ich dafür bereit?“.

Wie Sie 6 Wochen vor Abreise alle organisatorischen Punkte systematisch abarbeiten?

Sechs Wochen vor der Abreise beginnt die heisse Phase. Jetzt geht es nicht mehr um Träumereien, sondern darum, Vertrauen in Ihr Material und Ihre Planung zu schaffen. Der Fokus liegt auf einem systematischen Technik-Check, der weit über den üblichen „Rundgang ums Motorrad“ hinausgeht. Dies ist der Zeitpunkt, an dem Sie einen Termin in Ihrer Fachwerkstatt für eine gründliche Inspektion vereinbaren sollten, falls Sie nicht selbst der geborene Schrauber sind. Denn was zu Hause eine schnelle Reparatur ist, wird unterwegs zur tourgefährdenden Krise.

Ein professioneller Check sollte, wie vom ADAC empfohlen, immer die kritischen Punkte umfassen. Besonderes Augenmerk gilt der Beleuchtung, denn defekte Blinker oder ein ausgefallenes Bremslicht sind im Ausland oft teure Bussgeld-Fallen. Ebenso entscheidend ist die Bereifung. Prüfen Sie nicht nur den Luftdruck, sondern vor allem die Profiltiefe. Viele europäische Länder haben deutlich geringere Toleranzen als Deutschland; was hier noch legal ist, kann in den Alpen schon ein Problem sein. Testen Sie die Bremsen auf Druckpunkt und Funktion und die Leichtgängigkeit der Kupplung. Ein kleiner Mangel, der im Alltag kaum auffällt, wird nach 8 Stunden Passfahrt zur Qual.

Dieser Check ist auch der Moment, an dem Sie Ihr Gepäcksystem probeweise montieren und beladen. Prüfen Sie alle Verschlüsse und Riemen auf Verschleiss. Simulieren Sie eine voll beladene Fahrt, um das Fahrwerk anzupassen. Fühlt sich das Motorrad schwammig an? Jetzt ist die Zeit, die Federvorspannung anzupassen – nicht am Fusse des Stilfser Jochs. Das Werkzeug dafür gehört griffbereit in den Tankrucksack.

Zuletzt, aber von entscheidender Bedeutung: Überprüfen Sie das zulässige Gesamtgewicht. Addieren Sie Ihr Gewicht, das Gewicht der Ausrüstung und des Gepäcks. Liegen Sie noch im Rahmen? Eine Überladung beeinträchtigt nicht nur das Fahrverhalten, sondern kann im Schadensfall auch versicherungsrechtliche Konsequenzen haben.

Geführte Gruppe oder Solo-Abenteuer: Was passt besser zu Erstzeit-Reisenden?

Für Erstzeit-Reisende ist dies eine der fundamentalsten Entscheidungen, die weit über persönliche Vorlieben hinausgeht. Es ist eine strategische Abwägung zwischen Kosten, Sicherheit und dem persönlichen Freiheitsgrad. Eine geführte Gruppentour ist das Rundum-sorglos-Paket. Der Veranstalter kümmert sich um Route, Hotels, oft sogar um Fährpassagen und den Gepäcktransport. Bei einer Panne ist ein Begleitfahrzeug oder ein erfahrener Guide zur Stelle. Diese Sicherheit hat ihren Preis, nimmt aber gerade bei der ersten grossen Tour enormen Druck von den Schultern.

Das Solo-Abenteuer hingegen verkörpert die pure Essenz des Motorradreisens: absolute Freiheit. Sie entscheiden, wann Sie aufstehen, welche Route Sie nehmen und wo Sie übernachten. Diese Ungebundenheit erfordert jedoch ein hohes Mass an Eigenverantwortung, Planungskompetenz und Problemlösungsfähigkeit. Jede Panne, jede falsche Abbiegung und jede ausgebuchte Unterkunft liegt in Ihrer alleinigen Verantwortung. Finanziell kann eine Solo-Tour günstiger sein, insbesondere wenn man auf Camping setzt und sich selbst verpflegt. Der folgende Kostenvergleich für eine Nordkap-Tour zeigt die finanziellen Dimensionen dieser Entscheidung auf.

Die nachfolgende Tabelle, basierend auf typischen Angeboten für geführte Touren, verdeutlicht die Kostenunterschiede und den Leistungsumfang.

Kostenvergleich: Geführte Tour vs. Solo-Tour (Beispiel Nordkap)
Leistung Geführte Nordkap-Tour (ca. 18 Tage) Solo-Tour (geschätzt)
Fährpassagen Inkludiert (Kiel-Oslo-Kiel) ca. 400-500 EUR
Übernachtungen 16x Hotel mit Halbpension inkl. ca. 800-1.200 EUR (Hotel) oder 200-400 EUR (Camping)
Inlandfähren Norwegen 6x inkludiert ca. 150-200 EUR
Reiseleitung & Begleitfahrzeug Inkludiert Entfällt
Gepäcktransport Optional verfügbar Selbst am Motorrad
Gesamtkosten (geschätzt) ca. 2.500-3.500 EUR ca. 1.500-2.200 EUR (je nach Komfort)

Letztendlich gibt es hier keine richtige oder falsche Antwort. Fragen Sie sich ehrlich: Suche ich bei meiner ersten Reise ein sorgenfreies, aber strukturiertes Erlebnis (Gruppe)? Oder bin ich bereit, für maximale Freiheit auch das volle Risiko und die gesamte Planungsarbeit zu übernehmen (Solo)? Für viele ist ein Mittelweg ideal: eine Tour mit einem oder zwei vertrauten Freunden, die die soziale Komponente und geteilte Verantwortung vereint.

Der Pack-Fehler, der 30 % der Motorradreisenden am dritten Tag bereuen

Am dritten Tag einer langen Reise manifestiert sich bei vielen Neulingen ein tiefes Bedauern. Es ist nicht das vergessene Werkzeug oder das fehlende T-Shirt. Es ist die schiere Masse an Gepäck, die jede Kaffeepause, jeden Hotel-Check-in und jede spontane Foto-Session zu einer logistischen Übung macht. Der grösste Pack-Fehler ist fast immer das Überpacken. Die erfahrene Motorrad-Weltenbummlerin Svenja Dura fasst die korrekte Denkweise brillant zusammen:

Es geht nie darum: ‚Was kann ich noch alles mitschleppen?‘, sondern: ‚Was könnte ich streichen und zu Hause lassen?‘

– Svenja Dura, Svenjas Packliste Motorradcamping

Dieser minimalistische Ansatz ist keine Marotte, sondern eine strategische Notwendigkeit. Jedes Kilo zu viel beeinträchtigt das Fahrverhalten, erhöht den Reifenverschleiss und kostet Sie am Ende des Tages wertvolle Energie. Der Schlüssel ist, die häufigsten Fehlerquellen beim Packen von vornherein zu vermeiden. Packen Sie nicht auf Vorrat; eine Zahnpastatube oder ein Duschgel können Sie in ganz Europa an jeder Ecke kaufen. Verzichten Sie auf „Was-wäre-wenn“-Kleidungsstücke; drei ungetragene Shirts am Ende der Reise sind drei zu viel. Schwere und sperrige Ausrüstung wie ein Campingtisch oder Konservendosen für eine ganze Woche haben auf einer dynamischen Motorradtour nichts verloren.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Packordnung. Wer ohne System einfach alles in die Koffer stopft, wird spätestens beim ersten Regenschauer verzweifeln, wenn die Regenkombi ganz unten liegt. Nutzen Sie Packbeutel (Dry Bags) in verschiedenen Farben, um Ihr Gepäck thematisch zu sortieren: eine Tasche für Elektronik, eine für Kleidung, eine für Waschzeug. So finden Sie mit einem Griff, was Sie brauchen. Dies gilt insbesondere für das Elektronik-Chaos. Standardisieren Sie, wo immer möglich, auf USB-C und nutzen Sie einen einzigen Lade-Hub statt fünf verschiedener Netzteile. Weniger ist hier nicht nur mehr, sondern auch schneller und leichter.

Wann Sie welche europäische Region für optimale Bedingungen ansteuern sollten?

Die schönste Route ist wertlos, wenn das Wetter nicht mitspielt oder die Strassenverhältnisse eine Zumutung sind. Die Wahl des richtigen Reisezeitpunkts für eine bestimmte Region ist ein entscheidender, aber oft unterschätzter Erfolgsfaktor. Europa bietet eine immense Vielfalt, doch jede Region hat ihr ideales Zeitfenster. Eine pauschale Aussage wie „im Sommer ist es am besten“ ist eine gefährliche Vereinfachung.

Für die skandinavischen Ziele wie das Nordkap ist das Zeitfenster extrem eng. Die beste Reisezeit liegt, wie erfahrene Tourenfahrer bestätigen, zwischen Ende Juni und Mitte August. Nur in dieser Periode haben Sie eine realistische Chance auf schneefreie Pässe, die Mitternachtssonne und Temperaturen im erträglichen Bereich. Ausserhalb dieser sechs bis acht Wochen riskieren Sie Nachtfrost und unpassierbare Strecken.

Die Alpen und Pyrenäen hingegen bieten ein breiteres Fenster, aber mit eigenen Tücken. Im Hochsommer (Juli, August) kann es in den Tälern Südfrankreichs oder Italiens unerträglich heiss werden, während die Pässe oft von Touristen und Wohnmobilen verstopft sind. Die idealen Monate für den Süden sind oft der späte Frühling (Mai, Juni) und der frühe Herbst (September). Die Temperaturen sind angenehm, die Landschaft blüht oder leuchtet in Herbstfarben und der Verkehr ist deutlich reduziert. Allerdings müssen Sie im Frühling noch mit Restschnee und gesperrten Pässen in hohen Lagen rechnen, während im Herbst das Wetter schneller umschlagen kann.

Für Regionen wie Schottland oder Irland ist das Wetter immer ein Glücksspiel, aber die Monate Mai und Juni bieten statistisch die meisten Sonnenstunden und die geringste Mückenplage (Midges). Der Hochsommer kann hier sehr nass sein. Die strategische Wahl ist also, Ihre Reise entweder an das Ziel anzupassen oder Ihr Ziel an die gewünschte Reisezeit. Wer nur im August Urlaub hat, sollte vielleicht eher über die Dolomiten nachdenken als über Andalusien.

Wie Sie mit Kurviger oder Calimoto die schönsten Landstrassen statt der schnellsten Route finden?

Ein modernes Navigationsgerät oder eine Smartphone-App ist heute Standard. Doch der entscheidende Fehler vieler Einsteiger ist, diese Werkzeuge wie ein Autonavi zu benutzen: Start und Ziel eingeben und der schnellsten Route folgen. Das ist der sichere Weg, um auf gut ausgebauten, aber seelenlosen Bundesstrassen zu landen und den eigentlichen Fahrspass zu verpassen. Die wahre Magie liegt in spezialisierten Motorrad-Apps wie Kurviger und Calimoto, deren Algorithmen darauf ausgelegt sind, einen spannenden „Erlebniskorridor“ zu schaffen.

Diese Apps funktionieren grundlegend anders. Statt der schnellsten oder kürzesten Verbindung suchen sie gezielt nach kurvenreichen und landschaftlich reizvollen Strecken. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Platzhirschen liegt im Grad der Personalisierung und im Anwendungszweck, wie ein detaillierter Vergleich der Funktionen zeigt. Calimoto ist extrem benutzerfreundlich und bietet mit einem Klick verschiedene Routenprofile an, von „kurvig“ bis „superkurvig“. Es eignet sich hervorragend für spontane Rundtouren ab dem aktuellen Standort. Kurviger hingegen ist das Werkzeug für den detailverliebten Planer. Es erlaubt, die Routenführung bis ins Kleinste zu personalisieren und beispielsweise bestimmte Strassentypen (z.B. Autobahnen, grosse Bundesstrassen) komplett auszuschliessen.

Funktionsvergleich: Kurviger vs. Calimoto
Funktion Kurviger Calimoto
Routenplanung-Personalisierung Sehr detailliert – einzelne Strassentypen ausschliessbar 4 Routenprofile (schnellste, kurvig, super kurvig)
Navigation Benötigt Internet für Neuberechnung Offline-Neuberechnung möglich
Zusatzfunktionen Navigation Grundlegend Blitzerwarnungen, Tempolimits, alternative Routen per Klick
Rundtour-Funktion Verfügbar Sehr gut – nach Länge und Himmelsrichtung
GPX-Import Sehr gut – viele Formate Verbessert – ca. 98% Originalität
Preis Günstiger (Lifetime-Option) Teurer (Abo-Modell ca. 5 EUR/Monat)

Die Expertenmeinung ist hierbei oft eindeutig, wenn es um die Feinplanung geht. Die Motobit Redaktion stellt fest:

Die Möglichkeit eine Route wie in Kurviger zu personalisieren ist derzeit mit noch keiner anderen Motorrad-App möglich, daher ist Kurviger der klare Gewinner dieser Kategorie.

Dies unterstreicht die Stärke von Kurviger für die sorgfältige Vorbereitung am PC. Der Trick für die perfekte Reise ist oft, die Stärken beider Systeme zu kombinieren: die detaillierte Planung in Kurviger am Vorabend und der anschliessende Export der fertigen GPX-Datei an Calimoto oder ein Navi für die stabile Navigation unterwegs.

Die Klausel im Kleingedruckten, die Ihren Diebstahlschutz bei Auslandstouren aufhebt

Nichts ist schlimmer, als nach einer erholsamen Nacht im Hotel festzustellen, dass das Motorrad verschwunden ist – ausser der Erkenntnis, dass die Versicherung nicht zahlt. Der Diebstahlschutz, insbesondere bei Auslandstouren, ist gespickt mit Fallstricken und Klauseln im Kleingedruckten, die kaum ein Biker kennt. Sich blind auf die Teilkasko zu verlassen, ist ein grob fahrlässiger Fehler. Es ist Ihre Pflicht als Halter, die genauen Bedingungen Ihrer Police zu kennen und einzuhalten.

Die häufigsten „Fehlerquellen“ lauern in spezifischen Vorschriften, die im Alltag keine Rolle spielen, auf Reisen aber plötzlich relevant werden. Dazu gehört zum Beispiel die berüchtigte „Nachtzeitklausel“, die bei vielen Versicherern die Leistung drastisch kürzt oder ganz streicht, wenn das Motorrad zwischen 22 und 6 Uhr nicht in einer abgeschlossenen Einzelgarage geparkt wurde. Ein einfacher Hotelparkplatz reicht hier oft nicht aus. Ebenso kritisch sind die Vorschriften zur Sicherung. Verlangt Ihre Police ein geprüftes Bügelschloss einer bestimmten Sicherheitsklasse? Das einfache Lenkradschloss ist in den meisten Fällen unzureichend.

Bevor Sie die Grenze überqueren, sollten Sie eine systematische Prüfung Ihrer Versicherungspolice vornehmen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die kritischsten Punkte mit Ihrem Versicherer zu klären und böse Überraschungen im Schadensfall zu vermeiden.

Checkliste: Versteckte Klauseln in Ihrer Motorradversicherung

  1. Nachtzeitklausel prüfen: Klären Sie schriftlich, welche Anforderungen an den nächtlichen Abstellort im Ausland gestellt werden (Garage, bewachter Parkplatz, etc.).
  2. Schloss-Vorschrift beachten: Überprüfen Sie, ob Ihre Police ein bestimmtes Zusatzschloss (z.B. ABUS-Klasse, VdS-Zertifizierung) vorschreibt und führen Sie den Kaufbeleg mit.
  3. Geografische Geltung klären: Stellen Sie sicher, dass Ihr Versicherungsschutz in allen geplanten Reiseländern ohne Einschränkungen gültig ist. Manche Länder (insb. ausserhalb der EU) können ausgeschlossen sein.
  4. Saisonkennzeichen-Falle: Fahren Sie mit Saisonkennzeichen? Klären Sie, ob der Diebstahlschutz auch bei einer Tour gilt, die knapp ausserhalb des Zeitraums endet oder beginnt.
  5. Beweislast vorbereiten: Machen Sie bei jedem längeren Abstellen im Ausland (z.B. über Nacht) ein Foto vom gesicherten Motorrad, auf dem das verwendete Schloss gut sichtbar ist.

Diese fünf Punkte sind keine übertriebene Vorsicht, sondern die Grundlage für einen entspannten Schlaf auf Reisen. Ein Anruf bei Ihrer Versicherung vor der Reise kostet Sie zehn Minuten, kann Ihnen im Ernstfall aber Zehntausende von Euro und unendlich viel Ärger ersparen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die strategische Vorbereitung ist wichtiger als die Packliste. Ihre ersten Entscheidungen über Ziel, Zeit und Stil (Solo vs. Gruppe) legen den Grundstein für die gesamte Reise.
  • Minimalismus ist Trumpf. Jedes Gramm, das Sie nicht mitnehmen, ist ein Gewinn an Fahrspass und Flexibilität. Fragen Sie sich bei jedem Teil: „Brauche ich das wirklich?“.
  • Moderne Technik ist Ihr Co-Pilot. Lernen Sie, spezialisierte Apps wie Kurviger und Calimoto zu beherrschen, um aus einer einfachen Fahrt ein echtes Abenteuer zu machen.

Welches Navi führt Sie auf kurvigen Strecken ans Ziel, ohne Sie in Sackgassen zu lotsen?

Nachdem wir die Planungs-Apps betrachtet haben, stellt sich die entscheidende Frage für unterwegs: Welches System führt Sie zuverlässig ans Ziel? Die beste am PC geplante Route ist nutzlos, wenn das Navi Sie permanent in die Irre führt, die Neuberechnung ewig dauert oder die Bedienung mit Handschuhen unmöglich ist. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, und die Zuverlässigkeit des Navigationssystems wird zum zentralen Faktor für den Reisefluss.

Calimoto hat sich hier in den letzten Jahren nicht nur als Planungs-Tool, sondern auch als robustes Navigationssystem etabliert. Ein Langzeittest über 25.000 Kilometer von Heise Online bestätigt die Stärken in der Praxis: Ein aufgeräumtes Interface mit handschuhfreundlichen Schaltflächen, zuverlässige Offline-Karten und vor allem eine intelligente Routenführung. Das Profil „kurvig“ wird als exzellenter Kompromiss beschrieben, der Autobahnen meidet, ohne für zwei zusätzliche Kurven riesige Umwege in Kauf zu nehmen. Entscheidend ist die Fähigkeit zur Offline-Neuberechnung. Wenn Sie von der Route abweichen, weil eine Strasse gesperrt ist oder ein Café lockt, findet die App auch ohne Mobilfunknetz schnell einen sinnvollen Weg zurück – ein unschätzbarer Vorteil in entlegenen Gebieten.

Die perfekte Lösung ist oft eine Kombination, wie es ein erfahrener Nutzer im RT-Freunde Forum auf den Punkt bringt:

Trotzdem … beide Lösungen sind tolle Software-Produkte, kurviger meiner Meinung nach besser für die Planung einer Route und Calimoto besser für das Abfahren der Route wegen der Offline-Neuberechnung.

Diese „hybride“ Vorgehensweise hat sich für viele als Goldstandard etabliert. Sie nutzen die unübertroffene Detailtiefe von Kurviger Pro am Laptop oder Tablet, um die perfekte Route zu entwerfen und Wegpunkte präzise zu setzen. Anschliessend wird die fertige GPX-Datei exportiert und in Calimoto oder auf ein klassisches Navi wie ein Garmin Zumo XT oder TomTom Rider importiert. So kombinieren Sie das Beste aus beiden Welten: die akribische Planung und die felsenfeste Navigation.

Die Navigation ist das letzte Glied in der Kette Ihrer Vorbereitung. Sorgen Sie dafür, dass dieses Glied stark und zuverlässig ist, damit Sie sich auf das konzentrieren können, was wirklich zählt: die Strasse vor Ihnen.

Jetzt, da Sie die Denkweise und die Werkzeuge eines Profis kennen, ist die grösste Hürde genommen. Die Angst vor dem Unbekannten weicht der Vorfreude auf das Abenteuer. Der nächste Schritt ist der wichtigste und zugleich schönste: Setzen Sie sich mit einer Karte oder den genannten Tools hin und beginnen Sie, Ihre persönliche Traumroute zu skizzieren. Beginnen Sie noch heute damit, den ersten Wegpunkt für Ihr unvergessliches Abenteuer zu setzen.

Geschrieben von Stefanie Becker, Stefanie Becker ist Reisejournalistin und zertifizierte Motorrad-Tourenguide mit ADAC-Lizenz. Sie hat in 12 Jahren über 200.000 km auf europäischen Straßen zurückgelegt und führte mehr als 80 Gruppenreisen. Aktuell schreibt sie für führende Motorradmagazine und plant individuelle Traumtouren für Biker.